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Süßstoff oder Zucker: Was ist besser?

Neue Studien liefern Hinweise, dass auch Zuckerersatz dick macht. Trotzdem sagen viele Experten: Süßstoffe sind im Vergleich zum Original das geringere Übel
von Dr. Christian Heinrich, 22.06.2017

Zucker und Süßstoff: Macht beides dick?

W&B/Felix Brandl

Das Versprechen ist verführerisch: Iss und trink so viel Süßes, wie du willst, ohne dass es deiner Gesundheit schadet. Bewirken soll dieses Wunder: Süßstoff. Er macht den beliebten Geschmack und damit Zucker überflüssig. Jene Substanz also, die – im Übermaß genossen – zu Über­­gewicht und Karies führen kann sowie das Entstehen und Fortschreiten von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt.

Süßstoff, so heißt es, besitze all diese ­unerwünschten Wirkungen nicht. Damit wäre er ein perfekter Zuckerersatz. Und die Rettung für alle, die gerne Softdrinks, ­Süßigkeiten, Kuchen und Fertiggerichte konsumieren. Doch ist es wirklich so einfach?

Professor Hans Hauner, Leiter des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin in München

W&B/Ulrike Frömel

Mehr Bauchfett durch Süßstoffe?

Experten beschäftigen sich schon lange mit der Frage, ob Süßstoff tatsächlich so makellos ist wie sein Image. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Plos One, bringt nun neuen Schwung in die Diskussion. Der Verdacht steht im Raum, dass die Zuckeralternative womög­lich genau zu dem führt, was sie eigentlich verhindern soll: Gewichtszunahme.

Für die Untersuchung wurden mehr als 1400 Menschen mit unterschiedlichen ­Ernährungsgewohnheiten über eine längere Zeit begleitet. Die vermeintlich eindeutigen Ergebnisse der Wissenschaftler: Die Teilnehmer, die regelmäßig Süßstoffe zu sich nahmen, hatten unter anderem ein um 53 Prozent erhöhtes Risiko, im Bauch überdurchschnittlich viel Fett einzulagern. Darüber hinaus war ihr Hüft­umfang 2,6 Zentimeter größer als bei den Mitgliedern der Vergleichsgruppe, die keinen Zuckerersatz konsumierten.

Studienergebnisse unterschiedlich interpretierbar

"Diese Ergebnisse sollte man zum Anlass nehmen, die tatsächliche Wirkung auf den Stoffwechsel näher zu untersuchen", sagt Professor Hans Hauner, der das Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin in München leitet. Eines aber belegt auch diese Studie laut dem Experten nicht: dass Süßstoffe tatsächlich dick machen.

In der neuen Untersuchung werde zwar ein Zusammenhang mit Übergewicht gezeigt. "Es kann jedoch genauso gut sein, dass diejenigen, die regelmäßig Süßstoffe zuführen, sich generell eher fettreich und ungesünder ernähren als diejenigen, die keine Süßstoffe zuführen", erläutert Experte Hans Hauner. Damit wäre der Zucker­ersatz also nicht direkt für den Hüft- und Bauchspeck verantwortlich.

Die relative Süßkraft der häufigsten Süßstoffe

Haushaltszucker (Saccharose): 1

Cyclamat (E 952): 30 – 50

Acesulfam (E 950): 130 – 200

Aspartam (E 951): 200

Stevia (Steviosid, E 960): 250 – 300

Saccharin (E 954): 300 – 500

Neohesperidin (E 959): 400 – 600

Thaumatin (E 957): 2000 – 3000


Über mögliche negative Auswirkungen von Süßstoffen kursieren viele Gerüchte. Etwa der Vorwurf, der Zuckerersatz begünstige Krebserkrankungen – wissenschaftlich bis heute nicht bewiesen. Trotzdem scheint eine regelmäßige Zufuhr in größeren Mengen nicht ganz unbedenklich zu sein.

Süßstoffe beeinflussen die Darmflora

So haben Wissenschaftler zum Beispiel heraus­gefunden, dass Süßstoffe die Zusammensetzung der Darmflora verändern, also der Mikroorganismen, die dort an der Verdauung beteiligt sind. Vermutlich fördern sie die Ausbreitung derjenigen Mikroorganismen, die Kohlenhydrate zersetzen, und beschleunigen damit letztlich die Zuckeraufnahme in den Organismus. Wenngleich derartige Ergebnisse vor allem für Mäuse vorliegen: Der Mechanismus ist auch beim Menschen gut vorstellbar.

Letztlich ist in der Süßstoff-Forschung aber nur eine einzige Frage wichtig: Ist der Ersatz ebenso schädlich oder sogar schädlicher als Zucker? Oder stellt er nicht doch die gesündere Alternative dar?

Übersichtsstudie: Zucker ist ungünstiger

So konnte in den letzten Jahren eine Reihe von Studien bei regelmäßigem Kon­sum Auffälligkeiten in Bezug auf den Fettstoffwechsel und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren nachweisen. Doch es gibt eine deutlich größere Zahl an Untersuchungen, die zeigen, dass Süßstoff hier keine negativen Auswirkungen hat – vor allem im Vergleich zu Zucker. Zu diesem Schluss kamen auch Experten, die in einer sogenannten Meta-Analyse 24 große Studien zum Thema begutachteten.

Die meisten Ernährungsmediziner sind deshalb überzeugt: Zuckerersatz ist besser als das Original. "Süßstoffe sind im Vergleich zu Zucker in jedem Fall das geringere Übel", sagt etwa Hauner. Werde Zucker durch Süßstoffe ersetzt, wirke das einer Gewichtszunahme entgegen, so der Experte weiter. "Das kann man als wissenschaftlich gesichert betrachten."

Wenn schon süßen, dann mit Zuckerersatz

Wer also in der Ernährung nicht ganz auf Süßes verzichten will, sollte vermehrt Nahrungsmittel mit Zuckerersatz wählen. Diese Empfehlung gilt insbesondere für Menschen, die bereits mit Übergewicht kämpfen und abnehmen wollen.

Ob man dabei auf den in Mode gekommenen, natürlichen Süßstoff Stevia setzt oder etwa auf Aspartam, das zahlreichen Light-Getränken ihren Geschmack verleiht, spielt laut Hauner keine Rolle. Die Zuckerersatzstoffe variieren vor allem in ihrer Süßkraft. "In der ­Wirkung auf den Stoffwechsel hingegen scheint es keine wesentlichen Unterschiede zu geben", so Hauner.

Die beste Alternative ist der Verzicht

Am besten für die Gesundheit – und das Gewicht – aber wäre es, sowohl auf Zucker als auch auf Süßstoff zu verzichten. Die Frage "Lieber Cola, Cola light oder Cola zero?" beantwortet Ernährungsmediziner Hauner deshalb mit "Ganz einfach: Trinken Sie Wasser".



Bildnachweis: W&B/Felix Brandl, W&B/Ulrike Frömel

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